Mehr als 150 Jahre SanitätsVerein Neu-Isenburg 1861 e.V.

Der Anfang

Vor 150 Jahren gab es in Deutschland weder eine Krankenversicherung noch eine Krankenkasse und schon gar kein Krankengeld. Wurde ein Familienmitglied ernstlich krank, so waren die anfallenden Arztkosten sehr oft existenzbedrohend.

In dieser Situation gründeten einige verantwortungsbewusste Männer den "Allgemeinen Sanitätsverein Neu-Isenburg", um sicher zu stellen, dass kranke Mitglieder einen Arzt konsultieren konnten. Allgemein wurde der neue Verein die "Doktorkasse" genannt. Das Konzept des Vereins ging auf, denn schon 1887 hatte er über 700 eingetragene Mitglieder (zu dieser Zeit hatte Neu-Isenburg etwa 2500 Einwohner) und im Jahr 1900 gab es bereits 3 Vereine gleichen Namens, die sich allerdings 1918 zusammenschlossen.

Neue Aufgaben

Aus gegebenem Anlass kam man zu der Überzeugung, dass ausgebildetes Pflegepersonal ebenso wichtig ist wie ein Arzt. Als Konsequenz aus dieser Erkenntnis kam zu der Doktorkasse die Schwesternkasse, die dem Verein nicht nur weiteren Auftrieb gab, sondern später auch seine Existenz sicherte, da die Doktorkasse aufgrund der eingeführten Pflichtkrankenversicherung an Bedeutung verlor.

Abriss Holzhaus, Schützenstraße Neu-Isenburg (1999)
Abriss Holzhaus, Schützenstraße Neu-Isenburg (1999)
Neubau Geschäftsstelle Sanitätsverein Neu-Isenburg
Neubau Geschäftsstelle Sanitätsverein Neu-Isenburg
Fuhrpark des Sanitätsverein Neu-Isenburg 1861 e.V.
Fuhrpark des Sanitätsverein Neu-Isenburg 1861 e.V.

Die Stadt Neu-Isenburg wurde größer und damit wuchsen auch die Anforderungen. Statt der anfänglich nur zwei wurden bald fünf Schwestern beschäftigt, für die man einen festen Standort benötigte. Mit Unterstützung der Stadt Neu-Isenburg konnte dies 1955 verwirklicht werden. In der Schützenstraße wurde ein einfaches Holzhaus gekauft. Als das nicht mehr ausreichte, stellte die Stadt Neu-Isenburg Räume in der Ludwigstraße zur Verfügung. Das war jedoch nur eine Übergangsregelung.

Das  Holzhaus wurde 1999 abgerissen und durch einen modernen Bau mit zweckmäßig eingerichteten Büroräumen ersetzt.

Heute ist der Sanitätsverein ein modernes Dienstleistungsunternehmen mit 22 gut ausgebildeten Pflegerinnen und Pflegern. Auch die neue elektronische Datentechnik hat vor dem Verein nicht Halt gemacht. Die Zeit, in der das Pflegepersonal mit dem Fahrrad in Neu-Isenburg unterwegs war, ist längst vorbei. Eine Flotte von 16 Pkw steht – dank der Unterstützung der Dr.-Bodo-Sponholz-Stiftung – zur Verfügung, um den heutigen Anforderungen an einen mobilen Pflegedienst gerecht zu werden. Dies ist besonders wichtig, da auch die Stadtteile Zeppelinheim und Gravenbruch betreut werden.

Ein zentrales Anliegen ist die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im BAP-Forum für Betriebswirtschaft und Qualitätsmanagement, zu dessen Gründungsmitgliedern der Verein gehört, findet nicht nur ein Erfahrungsaustausch mit anderen Pflegediensten statt. Insbesondere beschäftigt man sich mit der Weiterentwicklung und Umsetzung der hohen, gesetzlich verankerten Qualitätsanforderungen speziell für die ambulante Pflege.

Der Sprung in die Pflegeversicherung war für den Verein ein Kraftakt. Die Aufgaben wurden so vielfältig, dass auf Veranlassung des weiterhin ehrenamtlich tätigen Vorstands ein Geschäftsführer in Teilzeit eingestellt wurde, der den Verein professionell betreut. Außerdem steht dem Vorstand ein ehrenamtlich tätiger Justiziar zur Verfügung. Die Größe und die Aufgaben des Vereins machten dies notwendig, damit er weiterhin so leistungs- und anpassungsfähig bleibt wie bisher.

Der Vorstand

Viel Glück hatte der Sanitätsverein mit den Vorstandsmitgliedern, die den Verein durch zwei Weltkriege, zwei Inflationen und die damit verbundenen wirtschaftlichen Probleme führten.

Niemals in seiner Geschichte hat sich der Vorstand des Sanitätsvereins von irgendwelchen politischen Strömungen vereinnahmen lassen. So gelang es zum Beispiel auch, in der NS-Zeit den Verein vor der Auflösung und der Verschmelzung mit der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) zu bewahren. Diese strikte politische und weltanschauliche Neutralität wurde bis zum heutigen Tag beibehalten und auch in Zukunft wird sich daran nichts ändern.

150 Jahre Sanitätsverein

Festveranstaltung "150 Jahre Sanitätsverein Neu-Isenburg"
Festveranstaltung "150 Jahre Sanitätsverein Neu-Isenburg"
Ehrung langjähriger Mitglieder
Ehrung langjähriger Mitglieder

Am 6. Juni 2011 auf den Tag genau konnte der Verein sein 150jähriges Bestehen mit einem Bunten Abend feiern. Fast 300 Gäste nahmen an dem Fest teil, unter ihnen der Landrat des Kreises Offenbach, Oliver Quilling, aus Neu-Isenburg kamen Stadtverordnetenvorsteher Rolf Krumbiegel und Bürgermeister Herbert Hunkel sowie weitere politische Mandatsträger. Die Schirmherrschaft hatte Hessens Sozialminister Stefan Grüttner übernommen, die Festreden hielten Landrat Quilling und Bürgermeister Hunkel.

Fast 100 Mitglieder wurden anlässlich der Feier für langjährige Zugehörigkeit geehrt. Darunter drei Jubilare, die bereits 60 Jahre dem Verein angehören.

Ein schöner Auftakt für die nächsten Jahre.